Wie entsteht der faire Preis eines Futures?

Der theoretische Preis eines Futures orientiert sich am Kurs des zu Grunde liegenden Basiswertes sowie an den laufzeitbezogenen Kosten und Erträgen (Haltekosten, Cost of Carry).

Die Cost of Carry berücksichtigt alle entstehenden Kosten und zufließenden Erträge des entsprechenden Basiswertes während der Laufzeit. Aufwendungen resultieren beim Halten eines Instrumentes aus Finanzierungskosten, Lagerhaltungskosten (bei Waren) und Versicherungskosten. Erträge erzielt ein Basiswert durch Stückzinsen (Anleihen), Dividenden, Barausschüttungen (Aktien) und Wertpapierleihe- bzw. Repo-Erlöse.

Cost of Carry = Kosten minus Erträge

Die Cost of Carry ist die Differenz zwischen den anfallenden Kosten und Erlösen. Sollte die Summe aller Kosten höher sein als die anfallenden Erträge, so ist die Cost of Carry positiv, und der Preis dieses Futures notiert über dem Kurs seines Basiswertes.

Beispiel:
Future auf EuroStoxx 50
aktueller Kurs EuroStoxx 50 = 3.825
Restlaufzeit: 2 Monate
Kosten: Finanzierungskosten = 3,5 % (die Finanzierungskosten wären aufzubringen für den alternativen Kauf des Aktienkorbes)                                                                                                                    Erträge: Dividendeneinnahmen + Wertpapierleiherträge = 1,0 %
Cost of Carry = Kosten – Erträge = 2,5 % (positiv)
Theoretischer Preis EuroStoxx-Future:
Indexstand + Cost of Carry für 2 Monate Restlaufzeit = 3.825 + 15,94 = 3840,94

Der Preis des EuroStoxx-Futures liegt über seinem Basiswert. Dies erklärt sich dadurch, dass die Finanzierungskosten eines vergleichbaren physischen Kaufs des Aktienkorbes (EuroStoxx) höher sind als die anfallenden Erträge. Da der Future-Preis alle Zahlungsströme seines Underlying berücksichtigt, wird diese Konstellation durch den höheren Future-Preis kompensiert.

Negatives Cost of Carry möglich

Es existieren auch Terminkontrakte mit einer negativen Cost of Carry. Das bedeutet, dass die anfallenden Erträge des Basiswertes während der Laufzeit höher sind als die entstehenden Kosten. Dies gilt beispielsweise für Futures auf Staatsanleihen bei einer normalen Zinskurve.

In diesem Fall notieren die langfristigen Stückzinsen der Anleihe höher als die kurzfristigen laufzeitbezogenen Finanzierungskosten, so dass die Erträge die Kosten übersteigen und der Preis des Futures unterhalb der Basisanleihe liegt. Je steiler die Zinskurve, desto größer ist die Preisdifferenz.

Identische Preise von Future und Basiswert am Verfallstermin

Der Unterschied zwischen dem Preis eines Future-Kontraktes und seinem zu Grunde liegenden Instrument wird auch als Basis bezeichnet. Gegen Ende der Laufzeit nähern sich die Future-Preise dem Kurs des zu Grunde liegenden Basiswertes an. Man spricht hier von der so genannten Konvergenz der Basis. Der Einfluss der Kosten und Erträge nimmt mit geringerer Restlaufzeit ständig ab, so dass am Verfallstermin selbst die Preise von Future und Basiswert identisch sind.

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